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Familiencoach Krebs
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Vermeidung

Eine Krebserkrankung ist sehr belastend und kann zu unerträglichen Gefühlen führen. Manche Patientinnen und Patienten wissen sich aus Überforderung nicht anders zu helfen, als diese Gefühle zu vermeiden oder von sich wegzuschieben. Die Vermeidung ist also ein Versuch, sich vor der extrem schmerzhaften Realität zu schützen.

Manche Betroffene vermeiden nur ein bisschen – andere legen ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten an den Tag. Starke Vermeidung wird vor allem dann problematisch, wenn sich die Patientinnen und Patienten dadurch nicht genügend um ihre Behandlung kümmern. Außerdem können Betroffene ihre Gefühle so nicht verdauen. Die Gefühle bleiben dann möglicherweise immer drastisch und überwältigend und die Verarbeitung der Situation kommt nicht voran.

Häufig reagieren Krebspatientinnen und Krebspatienten direkt nach der Diagnose mit Vermeidung oder wenn die Erkrankung lange andauert oder sich verschlimmert.

Vermeidung und Verleugnung

  • Sofortiges Wegschalten, wenn es im Fernsehen um Krebs geht.
  • Nur sehr widerwilliges Informieren zur eigenen Situation.
  • Themawechsel, sobald über Krebs gesprochen wird.
  • Arzttermine oder Arztgespräche werden vergessen.
  • Zweifel an den ärztlichen Aussagen („die Untersuchungen sind alle nur Geldmacherei“).
  • Das Leben wird weitergeführt, als sei nichts (Arbeit, Zukunftspläne ohne Berücksichtigung der Erkrankung).
  • Erkrankung wird mit keiner Silbe erwähnt – weil ihr keine Bedeutung beigemessen wird.
  • Betroffene sagen, sie hätten noch keine Ärztinnen oder Ärzte gesehen, obwohl sie bereits über die Befunde aufgeklärt wurden.

Runterspielen und Bagatellisieren

  • Beschwerden oder Schmerzen werden nicht angegeben, obwohl sie da sind.
  • Aussagen wie: „Wird schon wieder“ oder „Alles halb so wild“, obwohl die Situation laut ärztlicher Einschätzung ernst ist.

Humor – obwohl es nicht lustig ist

  • Betroffene machen viele Witze und nutzen Humor, um Gefühle nicht spüren zu müssen.
  • Ein ernstes Gespräch ist kaum möglich.
  • Unpassender Gefühlsausdruck. Zum Beispiel lachen oder grinsen die Betroffenen, obwohl sie etwas Ernstes oder Trauriges erzählen.

Rationalisieren
Es wird nicht über die eigenen Gefühle gesprochen, sondern über Fakten und Theorien („verkopft“).

Joachim konnte das Thema Krebs am Anfang überhaupt nicht ertragen. Es hat ihm solche Angst gemacht, dass er nichts von der Krebserkrankung hören wollte, auch nicht von der Behandlung oder notwendigen Untersuchungen. Ich hatte damals alles übernommen: die Arzttermine ausgemacht, ihn hingefahren, die Fragen im Gespräch gestellt ... Joachim hat auf Durchzug gestellt, viel Fernsehen geschaut und sogar den nächsten Urlaub geplant!

Das Bedürfnis, vor dem unangenehmen Thema zu flüchten, hat Joachim immer noch. Aber lange nicht mehr so stark wie früher. 

Reginas (59 Jahre) Ehemann Joachim (58 Jahre) ist an Darmkrebs erkrankt. Therapie und Reha sind abgeschlossen und es besteht Aussicht auf Heilung – auch wenn immer noch ein Rückfallrisiko besteht.

Azra vermeidet schwierige Nachrichten, indem sie diese einfach ganz schnell wieder vergisst. Vor allem am Anfang war das manchmal echt heftig. Wenn ich Azra nach Details aus ihren Arztterminen gefragt habe, konnte sie sich oft gar nicht richtig erinnern. Ich glaub, das macht sie, um sich zu schützen. Ihre Ärztin ist aber super. Bei der Diagnose hat sie Azra angekündigt, dass sie ihr etwas Schwieriges sagen muss und angeboten, dass sie jemanden dazu holen kann. Azra wollte es dann aber sofort wissen. Beim nächsten Gespräch war ich dann dabei. Die Ärztin hat die ganze Zeit langsam gesprochen und wirklich darauf geachtet, dass Azra alles mitkriegt, also Pausen gemacht und immer wieder erklärt. Überhaupt hat die Ärztin einen guten Einfluss auf Azra. Nach den Terminen ist Azra oft motiviert, informiert sich, ernährt sich gesund und all das. 

Meryem (31 Jahre) hilft ihrer Cousine Azra (33 Jahre), die an einem medullären Schilddrüsenkarzinom erkrankt war. Die Behandlung ist abgeschlossen und die Prognose ist gut. Azra ist alleinerziehende Mutter einer 5-jährigen Tochter.

Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie die Bedeutung der Erkrankung anfangs gar nicht richtig fühlen konnte. Anscheinend war das so: Sie war allein beim Arzt, als sie die Diagnose bekam. Sie sei dann wohl quasi aus ihrem Körper ausgestiegen und hätte alles wie von außen beobachtet: also den Arzt, wie er mit einer Frau redet – als wären das ganz andere Menschen. Der Arzt musste meine Mutter sogar überreden, dass sie die Termine annimmt, die er ihr anschließend geben wollte. Sie hat mir auch erst Wochen später von ihrer Erkrankung erzählt.

Inzwischen erlebe ich meine Mutter anders. Sie weiß, dass sie Krebs hat. Aber es gibt immernoch Momente, in denen sie die Erkrankung soweit zur Seite schiebt, dass es mir unheimlich ist. Zum Beispiel, wenn sie davon berichtet, was sie alles plant und machen möchte. Ich denke dann manchmal im Stillen: „Hoffentlich hast du noch die Zeit dazu“. Vielleicht ist es für meine Mutter aber nicht das Schlechteste. 

Christina (36 Jahre) versucht sich aus der Ferne um ihre Mutter Angela (65 Jahre) zu kümmern. Angela leidet an schwarzem Hautkrebs im fortgeschrittenen, metastasierten Stadium.

Vielen Dank für Ihre Antwort. Wir werden die Inhalte entsprechend Ihren Angaben anpassen.

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